Neuro-Twitter: Hirnforscher übersetzen Gehirnaktivität von Locked-In Patienten in Tweets
Malte Landwehr zählt auf seinem Blog 142 verschiedene Twitter-Clients. Seit kurzem ließe sich hier mit #143 wohl der bisher innovativste Zugang zum Microblogging-Phänomen auflisten: Adam Wilson, Doktorand am Neural Interface Technology Research and Optimization Lab der Universität Madison-Wisconsin hat eine Technologie entwickelt, die mittels EEG-Signalen menschliche Gehirnaktivitäten in Tweets übersetzt. Die Idee ist - ganz wie Twitter selbst - einfach genial und genial einfach:
Locked-In Patienten, die aufgrund eines Schlaganfalls oder anderer tragischer Umstände körperlich gänzlich gelähmt sind, sollen mittels eines EEG-Interfaces die Möglichkeit erhalten, sich ihrer Umwelt über Tweets mitzuteilen:
Während das Problem bisheriger Brain-to-Computer Ansätze zur Kommunikation darin lag, dass selbst geübte Patienten nur wenige Buchstaben pro Minute schaffen (was zum Beispiel im Kontext typischer Email-Längen problematisch ist), macht das Medium Twitter hier aus der Not eine Tugend: 140 Zeichen sind für den Neuro-Twitterer innerhalb von Minuten realisierbar - dass die Beschränkung für alle anderen gleichermaßen gilt, führt den Patienten näher an seine gesunden Kommunikationspartner heran und ermöglicht zumindest teilweise die zurückersehnte, echte Partizipation am gesellschaftlichen Leben.
